Deutsche Jugendmeisterschaften

Veröffentlicht: Sonntag, 15. September 2013 Geschrieben von Reinhold Nürnberger Drucken E-Mail

Deutsche Jugendmeisterschaften am 26. -28.07.2013 in Rostock.

Rostock, 26. - 28.07.2013 (nürn) Der gewohnt große Medaillenregen blieb für die in den letzten Jahren so erfolgreichen Bad Kissinger Leichtathleten in diesem Jahr aus. Bei den Deutschen Jugendmeisterschaften in Rostock lief für die heimischen Athleten nicht alles nach Wunsch. Jessica Schottorf verpasste um wenige Hundertsel Sekunden das Finale über 100 Meter Hürden . Dimitri Antonov wurde Vierter im Dreisprung der Jugend U18. Sein Bruder Ivane wurde Fünfter im Dreisprung der U20 und Alexander Savitzki landete hier auf den 15. Rang.und wurde Neunte.

Dimitri Antonov, der vor zwei Wochen mit seinem dritten Rang bei den U18-Weltmeisterschaften für Furore sorgte, musste aufgrund einer Verletzung, bei der Deutschen Meisterschaft jedoch passen. Der 16-Jährige, der in Donetsk als erster Deutscher überhaupt eine WM-Medaille im Dreisprung der U18 holte, wollte in Rostock auch im Weitsprung um Gold springen.

Allerdings verspürte er schon im Vorfeld der Meisterschaften ein „leichtes Ziehen“ im Oberschenkel. „Das Aufwärmen und die Läufe zur Anlaufkontrolle gingen noch recht gut“, berichtet Trainer Dimitri Antonov sen. Dennoch riet er seinem Sohn im ersten Versuch des Weitsprungs der U18 noch nicht alles zu riskieren. Ohne im Vorfeld groß Weitsprung zu trainieren, wurden es da doch gleich starke 6,99 Meter. Aber aus dem leichten Ziehen im Oberschenkel wurde jetzt doch mehr. „Wir haben gleich gekühlt, aber an einen Absprung mit dem Sprungbeim war nicht mehr zu denken“, sagt Dimitri Antonov und verzichtete erst einmal auf den zweiten Versuch. Der Vater riet ihn zum Aufhören, aber der Sohnemann wollte so nicht von der Bühne abtreten und probierte es eben mit dem anderen Fuß. Das Resultat war aufgrund eines sehr vorsichtigen Sprungs aber nicht optimal. So beendete der Bad Kissinger im Trikot des LAC Quelle Fürth den Wettkampf. Mit seinen knapp sieben Metern hätte es sogar noch fasst zur Medaille gereicht. Erst im vorletzten Versuch wurde er noch ganz knapp vom Bronzeplatz verdrängt und wurde am Ende Vierter. Für den Dreisprung am nächsten Tag hätte ihn der DLV-Arzt mit einer Spritze wieder einigermaßen hinbekommen. „So wichtig ist uns der nationale Titel aber dann doch nicht“, befand der Trainer und meldete seinen Sohn sogleich beim Dreisprung ab.

Bei Bruder Ivane lief schon in der Vorbereitung auf die Meisterschaften nicht alles nach Wunsch. Immer wieder kleinere Verletzungen ließen in diesem Jahr keine optimale Vorbereitung zu. So verpasste der 19-Jährige in diesem Jahr schon die angestrebte Teilnahme an den Europameisterschaften. Auch in Rostock kam der Deutsche Hallen-Vizemeister nur schwer in Tritt. Im fünften Versuch allerdings schien die 15-Meter-Marke doch gefallen zu sein. Aber die Weitenmesser nahmen an einem Abdruck Maß, der nicht von dem Badstädter stammte. „Bundestrainer Carles Friedek merkte dies sofort und wies die Kampfrichter auf ihren Fehler hin. Die waren aber mittlerweile so eifrig und hatten die eigentliche Landestelle bereits wieder eben gerecht. „Aber sie sahen ihren Fehler ein und ich bekam noch einen siebten Versuch zugeteilt“, erzählt Ivane Antonov unaufgeregt. Den nutzte der Bad Kissinger und verbesserte sich auf gute 15,19 Meter. Damit rutschte er im Klassement vom fünften Platz, doch noch nach vorne auf den Silberrang. Da sein Springer jetzt auf dem vierten Rang zurück viel, legte der Trainer aus Chemnitz nun einen offiziellen Protest gegen diese Wertung ein. Allerdings gab es vom umstrittenen Versuch Antonovs kein Videomaterial und somit auch keinen Beweis, die den siebten Versuch von Antonov berechtigt erschienen ließen. So wurde am Ende dem Protest zugunsten der Cemnitzer stattgegeben und Ivane Antonov rutschte wieder auf Rang fünf. Auf einen Gegenprotest, den die Verantwortlichen des Bayerischen Leichtathletik-Verbandes einlegen wollten, verzichtete der Trainer. „Auf dieses Niveau lasse ich mich nicht herab“, begründete Dimitri Antonov Senior sein ablehnendes Verhalten. Die Freundschaft der beiden Dreisprungtrainer, die sich sehr gut von Maßnahmen der Nationalmannschaft kennen, dürfte allerdings jetzt etwas abgekühlt sein. Mit Alexander Savitzki (LAC Quelle Fürth) hatte sich ein weiterer Bad Kissinger für den Dreisprung der Jugend U20 qualifiziert. Der 18-Jährige kam dabei nicht ganz an seiner Qualifikationsweite heran. Ihm machte die enorme Hitze zu schaffen und am Ende hatte er nur einen gültigen Versuch auf 13,56 Meter vorzuweisen. Der bedeutete für ihn am Ende Rang fünfzehn.

Für Jessica Schottorf vom TSV Bad Kissingen hat sich in den letzten Wochen viel geändert. Ihr eigentliches Saisonziel - die Qualifikation an den Meisterschaften - hatte sie schon Anfang Juni abgehackt. Viermal in Folge unterbot sie zuletzt den alten Unterfränkischen Rekord. Kürzlich wurde sie in großartigen 14,01 Sekunden sogar Bayerische Meisterin über 100 Meter Hürden und durfte sich zurecht Hoffnungen auf die Finalteilnahme der U18 in Rostock machen. Im Vorlauf untermauerte sie dann auch ihre mittlerweile gewachsenen Ansprüche. In 14,12 Sekunden lief sie bei Gegenwind die sechstschnellste Zeit aller Teilnehmerinnen und bekam dadurch im Zwischenlauf eine mittlere Bahn zugeteilt. Allerdings war sie da von zwei ganz starken Hürdenläuferinnen flankiert und wegen deren Stärke doch etwas beeindruckt. „Ich kam noch sehr gut über die zweite Hürde. Allerdings habe ich dann wohl zu wenig attackiert und nur versucht elegant über die Hürden zu laufen“, beschreibt die erst 15-jährige Bad Kissingerin ihren zweiten Meisterschafts-Auftritt. Im Mittelteil verlor Jessica Schottorf so etwas Zeit und am Ende musste sie sich mit 14,21 Sekunden zufrieden geben. In der Addition der zwei Zwischenläufe bedeutete dies den neunten Rang. Somit hatte sie um gerade einmal drei Hundertstel Sekunden das Finale der besten Acht verpasst. Aber auch ihre Zeit aus dem Zwischenlauf hätte vor ein paar Wochen ja noch Unterfränkischen Rekord bedeutet. Den hatte sich Jessica Schottorf ja eigentlich erst für das nächste Jahr vorgenommen, in dem sie noch einmal in der Jugend U18 startberechtigt ist. Was da dann bei den nationalen Meisterschaften erneut auf ihr zukommen wird, dass durfte sie sich eine Stunde nach ihrem Zwischenlaufaus schon mal anschauen. Angeführt von der WM-Vierten Cantal Butzek (LC Paderborn), die in 13,42 Sekunden nur knapp den Deutschen Rekord verpasste, liefen die ersten Fünf im Finale geradezu fantastische Zeiten. Allesamt blieben sie dabei noch deutlich unter der letztjährigen Siegesleistung. „Und vier von denen sind auch noch mein Jahrgang“, sagte die Bad Kissingerin schon etwas beeindruckt.

Dominik Abert vom VfL Sportfreunde Bad Neustadt genoss seinen Auftritt bei den Deutschen Meisterschaften. Der 19-Jährige, in dieser Saison lange Zeit verletzt, hatte sich bei den Bayerischen Meisterschaften vor zwei Wochen erst auf den letzten Drücker für Rostock qualifiziert. Es war der erste Bad Neustädter Leichtathlet überhaupt, dem dies gelang, wie Trainerin Kirsten Batz berichtet. Bei leichtem Gegenwind wurde der Dominik Abert über 100 Meter in 11,36 Sekunden gestoppt. Allerdings musste er auf Bahn acht laufend einen kleinen Haken schlagen. Einige Zuschauer beugten sich zu weit über die Absperrung und behinderten den Neuschter am Geradeauslauf. Zwei Zehntel Sekunden weniger benötigte er bei besseren Bedingungen vor zwei Wochen in Plattling. Aber auch diese Zeit hätte nicht gereicht um sich für den Zwischenlauf der schnellsten Sechszehn zu qualifizieren. Auch die 200 Meter der Jugend U20 waren in Rostock sehr stark besetzt. Dominik Abert wurde da in seinem Vorlauf in 22:71 Sekunden Fünfter und schlug sich dabei mit Gesamtplatz 16 achtbar aus der Affäre. „Aus dem Startblock kam Dominik schlecht heraus, aber dann lief er sehr, sehr gut“, analysierte Kirsten Batz den Lauf. Aber auch hier verhinderte ein starker Gegenwind, dass er an seine Bestleistung herankam. An ein Erreichen des Finales -es gab keine Zwischenläufe - hatte er ohnehin kaum einen Gedanken verschwendet. Zu viele Probleme hatte der Bayerische Vizemeister in diesem Jahr in der Vorbereitungsphase.